Rückblick und Ausblick

Hallo meine lieben,  

Ein weiteres Jahr geht zu ende. Es wird also Zeit das Jahr 2018 Revue passieren zu lassen. Und einen Ausblick auf das nächste zu wagen.  

Zuerst eine gute Nachricht. Ich bin jetzt bei über 500 Tagen Hormon Therapie. Keine Ahnung warum ich das noch zähle. Ich weiß noch wie mich jeder einzelne Tag bis zum Start gestört hat. Und nun liegt das schon so lange zurück. Mir wurde dieser Tage mal gesagt das bei mir nichts männliches mehr zu sehen sei. Und wenn ich nun in den Spiegel schaue fällt es mir auch immer schwerer etwas zu finden. Mittlerweile mag ich mein Spiegelbild. Meistens 😉. Und bei meinen Bewerbungsgesprächen schien es keine Zweifel zu geben das Frau Pietzsch zum Gespräch erschienen ist. Aber beginnen wir am Anfang.

Das Jahr begann recht hektisch, zumindest für mich. Im Januar hatte ich 3 Beratungsgespräche in München für meine OP. Der Februar brachte endlich einen Abschluss der endlosen Geschichte für die Vornamensänderung. Den neuen Ausweis durfte ich aber erst im März in den Händen halten. Danach ging natürlich die Rennerei los. Mit Verträgen und Unterlagen zu ändern. Manchmal ist es einfacher etwas zu kündigen und neu ab zu schließen, anstatt etwas zu ändern. Und wenn man sagt man möchte den Vornamen ändern, und nicht den Nachnamen, werden manche ganz still und verstehen die Welt nicht mehr. Es ist eigentlich ganz witzig sowas zu beobachten. So geschehen beim ändern meines Mobilfunkvertrages via Hotline des Anbieters. Hat dann aber doch noch geklappt. 

Natürlich habe ich auch einen Antrag auf Kostenübernahme für die GaOP gestellt. Und wie soll es anders sein, auch hier eigentlich unnötige Verzögerungen. Meine Krankenkasse wollte das OK des MDK. Und natürlich wurde der Termin auch verschoben. Keine Ahnung warum die 2 Gutachten für die Namensänderung nicht reichten. Zumal die nicht billig waren. Zum Glück schien die Psychologin keinen Zweifel an meinem Wunsch/Bedürfnisse zu haben und gab mir ihren Segen.  

Danach wurde es recht ruhig. Gewissermaßen. In der Zwischenzeit hat sich privat bei mir einiges getan. Ende letzten Jahres wurde ich von jemandem kontaktiert der sich als Mike vorstellte. Was er wollte war mir am Anfang nicht ganz klar. Zumal von mir. Im Internet sind ja manchmal seltsame Gestalten unterwegs. Doch wie wir so schreiben, erkenne ich eine recht vertraute Seele. Eine die wie ich ist. Eine die nicht mehr alleine sein wollte. Am Anfang habe ich mich zurückgehalten. Denn ich wollte keine Beziehung. Nicht bis ich mit meiner Transition fertig bin. Zumal ich mich eigentlich in so etwas wie eine Fernbeziehung mit einem wundervollen Menschen befand. Paradox, nicht wahr? Leider merkte ich auch das aus der Fernbeziehung nie etwas werden konnte. Diese Beziehung zu beenden war eines der schlimmsten Dinge die ich je tun musste. Das hatte dieser Mensch nicht verdient. Doch ich musste weiter. Es gab kein Anhalten oder gar Umkehren.  

Der Grund warum ich keine Beziehung während der Transition wollte ist eigentlich ganz logisch. Ich wollte niemanden mit meinen Problemen belasten oder eine unfertige Version von mir antun. Ich dachte ich schaffe das auch so. Oh man, ich lag so was von falsch. In den Gesprächen mit Mike merkte ich das ich ihm vertrauen kann. Ich merkte das er was an sich hat was mich zum Lächeln bring. Etwas was mich wieder aufbaut. Dummerweise war Mike Anfang des Jahres nach Frankfurt am Main gezogen. Also stand ich wieder vor einer Fernbeziehung. Wollte ich das eigentlich? Jedenfalls war ich bereit ihn im Februar in Frankfurt zu besuchen. Und ich muss gestehen dass das eine meiner besten Entscheidungen war. Eigentlich wollte ich danach nicht wieder zurück. Ich musste mich im Auto zusammenreißen nicht los zu weinen.  

Das war der Beginn einer wunderbaren Beziehung. Wir waren zusammen in Eisenach und einem Konzert. Meinem ersten überhaupt. Wir waren 2 Wochen zusammen im Urlaub. Und es war der Beste den ich je hatte. Abgesehen davon das ich 15 Jahre lang nie wirklich einen gemacht habe. Ja, es gab auch weniger schöne Zeiten. Und es war stellenweise Hektisch als Mike kurzfristig eine neue Wohnung finden musste.  

Hin und wieder gibt es aber auch Rückschläge wo man sich fragt: muss das jetzt sein? Zur Erklärung: Mitte des Jahres ist meine Oma väterlicherseits gestorben. Ein Zweig der Familie und Teil meiner Vergangenheit den ich eigentlich nie wieder anfassen wollte. Und wie das so ist mit der Bürokratie wird Herr Pietzsch als begünstigter angeschrieben. Wenn es kommt, dann so richtig. Am Telefon konnte oder wollte mir die Beamtin nicht sagen wo die Daten herkommen und wieso da noch Herr Pietzsch stand. Zumal bei Testamentseröffnung das Urteil zur Namensänderung bereits 5 Monate gültig war. Das Bürgeramt hier in Halle hatte bereits am nächsten Tag nicht mehr meine alten Daten. Na das wird noch lustig. 

Und schon sind wir beim Ausblick ins nächste Jahr. Ich habe beschlossen meine Zelte in Halle ab zu brechen und nach Frankfurt zu ziehen. Derzeit bin ich auf der Suche nach einem neuen Job. Ich hatte schon einige vielversprechend Gespräche. Und an einem Job bin ich besonders interessiert. Aber sehen wir was sich entwickelt. Die Frage die ihr euch nun wahrscheinlich stellt ist: „Ist das klug?“ In dieser Phase der Transition einen sicheren Job aufgeben? In eine fremde Stadt zu ziehen? Zu jemandem, den ich gerade mal 1 Jahr kenne und von einigen Tagen oder Wochen mal abgesehen, nie zusammengelebt habe? Ehrliche Antwort: ich weiß es nicht. Es ist alles andere als logisch. Ich will aber nicht immer logisch und rational handeln. Wenn wir es nicht versuchen, werden wir nie wissen ob es klappt. Keine Ahnung ob wir nur 1 Jahr zusammen bleiben oder uns mal ein Zimmer im Altersheim teilen. Zumindest werden Mike und ich täglich an unserer Beziehung arbeiten. Und es gibt noch einen Aspekt den ich mal in einem früheren Artikel angesprochen hatte. Ich brauche hin und wieder mal jemanden (täglich) der mich in die Arme nimmt. Ich habe es satt alleine zu sein. Das heißt also für das nächste Jahr seht hoffentlich ein neuer Job, eine neue Stadt und eine richtige Beziehung an. Und hoffentlich die GaOP, denn auch das macht mich mittlerweile irre. Also drückt mir die Daumen das sich alles bestmöglich entwickelt.  

Liebe Grüße

Sandra Pietzsch

3 Gedanken zu „Rückblick und Ausblick

  1. Alles Gute euch beiden, Mike und Sandra. Viele liebe Grüße und ein erfolgreiches nächstes Jahr.
    Es hat mir viel Freude bereitet deinen Blog zu lesen.

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