Die Zukunft beginnt – Teil 1

Hallo meine lieben, 

Es ist geschafft. Vor nun mehr 4 Wochen (13.3.2019) war der große Tag. Jenes Ereignis zu dem ich mich vor über 3,5 Jahren aufgemacht hatte, unter anderem. Meine GaOP (Teil 1). Nun sitze ich hier in der Wohnung meines Freundes, die auch bald meine Wohnung sein wird. Und ich denke über die letzten 4-5 Wochen nach. Soviel sei verraten, mir geht es im Großen und Ganzen sehr gut. Aber beginnen wir am Anfang. 

Mein letzter Beitrag endet ja 1 Woche vor der OP. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Ne ganze Menge. Am Mittwoch hatte ich ein telefonisches Interview mit einem Potentiellen Arbeitgeber. Dem schien das Gespräch soweit gefallen zu haben das ich für ein persönliches Gespräch für den darauf folgenden Montag (11.3.2019) eingeladen wurde. Dazu später mehr. Für den Donnerstag hatte ich mich mit einer Personalvermittlerin verabredet. Sie und ihr Kollege hatten mir einige Gespräche vermittelt. Nun wollte sie mich mal persönlich kennen lernen. Also trafen wir uns bei einem Bäcker/Caffè zum Plaudern. Am Freitag hatte ich dafür volles Programm. 

Bewerbungsgespräch 1: Vor einigen Wochen hatte ich am Samstag ein Telefonisches Bewerbungsgespräch mit dem IT Verantwortlichen einer Großen Anwaltskanzlei in Frankfurt (Main). Ein erstes Kennenlernen. Das lief recht gut so dass ich zum Persönlichen Gespräch eingeladen wurde. Überpünktlich angekommen registriere ich mich am Empfang und fahre mit dem Lift in die Kanzlei. Oben angekommen werde ich gleich in ein kleines und schlichtes Konferenzzimmer gebracht. Aber das eigentliche Highlight dieses Eckzimmers ist der Ausblick. 25. Stockwerk und ein Panoramablick über Frankfurt. Ich hatte mich geärgert das ich nicht meine Kamera mitgebracht hatte. Aber wer rechnet den mit so was? Nach ein paar Minuten traten der IT Verantwortliche mit dem ich schon Telefoniert hatte und ein weiterer Kollege ein. Gefolgt von 2 Kolleginnen der Personalabteilung. Wir stellen uns gegenseitig noch mal vor. Ich erzähle was ich bisher so gemacht habe, was ich mir vorstelle, warum ich wechseln will und so weiter. Ich denke meine Erfahrungen und meine Qualifikationen/Zertifikate sprechen für sich. Insgesamt ein nettes Gespräch über etwa 45 Minuten. Anschließend wird mir noch kurz die IT Abteilung gezeigt. Wie gewohnt im Keller. Das heißt hier 6. Stock. Mir gefällt es hier. 

Bewerbungsgespräch 2: Da ich noch etwas Zeit habe, mache ich auf der Zeil eine kurze Mittagspause. Dann geht’s weiter zum nächsten Gespräch. Die Arbeitgeber könnten nicht unterschiedlicher sein. Eher eine mittelständige Firma die IT Projekte für ihre Kunden plant und Realisiert. Sehr breites Spektrum mit sehr viel Eigenverantwortung. Auch das ein oder andere Klischee über IT Profis finde ich hier “bestätigt”. Auch hier wieder Gespräche darüber was macht die Firma. Was habe ich gemacht. Erfahrungen, wünsche, und so weiter. Wie eigentlich jedes Mal. Auch hier ist das nette und freundliche Gespräch nach etwa 45 Minuten beendet.  

Damit war mein Freitagsprogramm beendet und ich war fertig. Das Wochenende haben Mike und ich ruhig angehen lassen. Wir waren am Samstag noch etwas für meinen Krankenhausaufenthalt shoppen. Vor allem haben wir uns viel Zeit für uns genommen. Das Wetter war sowieso durchwachsen. 

Am Montag (11.3.2019) war ich erst beim Frauenarzt. Ich muss ja etwas für die Zeit nach dem Krankenhaus vorsorgen. Ob ich bei ihm bleibe weiß ich noch nicht. Scheint nicht viel Erfahrung mit trans Menschen zu haben. Mal sehen. Am Nachmittag ist Bewerbungsgespräch 3 an der reihe. 

Bewerbungsgespräch 3: Nach dem Telefoninterview am Mittwoch konnte ich noch ein Gespräch für diesen Montag arrangieren. Auch da ich sagte das ich am Dienstag nach München in Krankenhaus fahre und für mindestens 2 Wochen dort sein werde. Das habe ich übrigens auch bei den anderen beiden angesprochen. Leider kam ich zu diesem Gespräch zu spät da ich durch meine Unachtsamkeit in die falsche Bahn gestiegen bin und es zu spät gemerkt hatte. Das Bewerbungsgespräch selber lief wie gewohnt freundlich und professionell ab. Es gab diesmal sogar einige Technische Fragen. Bei 1-2 von ihnen musste ich aber gestehen das die außerhalb meiner Erfahrungen liegen. Das kommt vor.  

An dieser Stelle fragt Ihr euch bestimmt wie ich während der Bewerbungen und/oder den Gesprächen mit meiner Vergangenheit beziehungsweise meiner Transidentität umgegangen bin. Zumal es leider nicht allzu viele Frauen in diesem Bereich gibt. Die Antwort ist simpel: es ist nie zur Sprache gekommen. Ich habe es nie erwähnt oder wurde darauf angesprochen. Ob ich es in Zukunft mal erwähnen werde weiß ich noch nicht. Das werde ich situationsabhängig machen. Ich schäme mich nicht dafür oder werde es verstecken. Hausieren werde ich damit aber auch nicht gehen. Ein Grund für meinen geplanten Umzug ist ja als Sandra neu an zu fangen. Auch habe ich nie erwähnt warum ich 2 Wochen im Krankenhaus in München sein werde. Es wurde auch nie gefragt. Wie schon gesagt, alles sehr Professionell. So was mag ich. 

So jetzt würde der Teil kommen in dem ich nach München fahre. Nicht so schnell, da kommt noch was. Auf dem Weg zum Bewerbungsgespräch Nummer 3 erhielt ich einen Anruf von meinem Personalvermittler. Der Anwaltskanzlei hat das Gespräch so gut gefallen das sie mir ein Probetag anbieten wollen. Na das ist doch schon mal super. Also klären wir das mit dem wann und wie. Ist etwas kompliziert durch München und irgendwann muss ich ja auch nach Halle zurück. Auf der anderen Seite will ich einem Potentiellen Arbeitgeber nicht vor den Kopf stoßen. Zum anderen natürlich meine Einsatzbereitschaft zeigen. Aber wir einigen uns auf ein Model. Dann kommt auch schon mein Bus der mich zum Gespräch bringen soll. 

Ich sitze im Bus und bereite mich Mental auf das Gespräch vor. Da ruft mich mein Vermittler wieder an. Haltet euch fest, die Anwaltskanzlei verzichtet auf den Probetag und bietet mir direkt ein Arbeitsvertrag an. Ich kann es kaum glauben. Ich fahre zu einem Bewerbungsgespräch und habe eigentlich schon einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Natürlich kenne ich die Konditionen noch nicht und noch ist er nicht unterschrieben. Also gebe ich wie gewohnt mein bestes. Aus diesem Gespräch wurde leider nichts. Man hätte gerne etwas mehr Erfahrung in einem Bereich den ich nicht bieten kann. Auch habe ich nie behauptet das ich mich mit dieser bestimmten Materie auskenne. Aber um ehrlich zu sein, das ist mir nun auch egal. Das zweite Gespräch am Freitag lief besser, hier hätte man gerne ein Probetag. Das habe ich aber inzwischen abgesagt, denn ich habe ja was. Und rein vom Bauchgefühl ist die Entscheidung für die Anwaltskanzlei besser. 

An dieser Stelle springe ich mal etwas vor. Inzwischen habe ich das schriftliche Angebot. Ich habe eine Kopie per Mail erhalten so dass ich es im Krankenhaus lesen konnte. Und diese Mail kam bei mir an als ich gerade auf dem OP Tisch lag. Na wenn das kein gutes Omen ist. Inzwischen habe ich den Vertrag unterschrieben abgegeben. Ich hatte noch am Freitag nach meiner OP mit meinem Chef telefoniert und schon mal mündlich gekündigt. Inzwischen auch schriftlich. Das gewünschte Austrittsdatum ist Ende Juni. Noch habe ich keine Bestätigung. Mein neuer Arbeitgeber ist mit dem Anfangsdatum glücklicherweise Flexibel. Somit fange ich spätestens am 1.September 2019 bei Hengeler Müller in Frankfurt am Main in der IT Administration an. Nach 13,5 Jahren bei Dell. Eine Epoche geht zu Ende und eine neue fängt an. 

Was in München passiert ist und wie es mir nach der OP ging… dafür müsst ihr leider den nächsten Beitrag lesen. 

Liebe Grüße

Sandra Pietzsch

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